CHRONIK
Wappen

 

Stammbaum der Familien Sardemann - Sardeman

von 1634 bis heute

 

 

Übersicht:

A.  Die 3 Sardemann - Linien

  1. Der bäuerliche Ast
  2. Der Weseler Ast
  3. Der Amsterdamer Ast

B.  Geschichte und Abstammung

  1. Clevische Mark  -  Stammland der Sardemann’s
  2. Das Heimatdorf Bühl an der Lippe
  3. Der Sardemann-Hof
  4. Der Name Sardemann
  5. Erste Urkunde mit Namen “Sardemann” 1634
  6. Die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg
  7. Die Gerichtsbarkeit
  8. Johann Sardemann als Schöffe
  9. Der Namenswechsel Horstmann --> Sardemann
  10. Die Familie Horstmann
  11. Der Horstmannshof und der Horstmannskamp
  12. Die Familien Benninghoff - Sardemann - Horstmann
  13. Das Leben auf dem Sardemann-Hof bis nach dem 7-jährigen Krieg

 

 

A. DIE 3 SARDEMANN - LINIEN

 

Am 1.10.1770 stirbt Albert Wilhelm Sardemann/Horstmann im Alter von 72 Jahren. Von seinen 3 Söhnen blieb nur der älteste, Albert Georg, auf dem elterlichen Bauernhof in Bühl/Gartrop, die beiden anderen, Johann Wilhelm und Gerhard, hatten sich  nichtbäuerlichen Berufen zugewandt und den Sardemann-Hof schon mehrere Jahre vor dem Tode ihres Vaters verlassen.  

 

1. Der bäuerliche Ast

Einige Jahre nach dem Tode ihres Ehemannes Albert Wilhelm Sardemann vergrössert die Witwe Sybilla ihren Besitz. Am 24.1.1777  kauft sie den schon genannten, in Bühl am Sonderberg gelegenen "Doppenkamp", an dem ihr Ehemann erbberechtigt war. Im Februar 1777 stirbt ihr Schwager Hermann Horstmann. Seine Erben zahlt die Witwe  Sybilla am 5. März des gleichen Jahres aus und der "neue Horstmanskamp", der im Kirchspiel Bühl hinter dem Sondernberg und dem Haartberg gelegen war, geht endgültig in ihr Eigentum über.

Von den drei Höfen, welche die Sardemanns nun zu bewirtschaften hatten, bleiben der Sardemann-Hof und der Horstmannskamp im Besitz des Sohnes Albert Georg. Den Doppenkamp pachtet Sybilla’s einzige  Tochter Margarethe, die mit dem Ackerer Heinrich Kuhlemann verheiratet war.

Am 31.12.1783 stirbt Sybilla Sardemann. In der Erbauseinandersetzung vom 6.1.1785 erwerben die Eheleute Margarethe Sardemann und Heinrich Kuhlemann den Doppenkamp für 200 Reichsthaler. während der  Sardemann-Hof und der Horstmannskamp in der bäuerlichen Linie des Sohnes Albert Georg verbleiben.

Albert Georg Sardemann heiratete an 11.1.1771 Anna Elsken Jordemann. Von 1770 - 1777 ist er Bauermeister und von 1772 - 1775 Gildemeister in Bühl (Archiv Gartrop). 1780 unterschreiben er und  der Schullehrer Stöcker aus Gartrop als Nachlasspfleger einen Verkaufsvertrag (Archiv Düsseldorf). In diesem Vertrag vom 22.11.1780 werden auch die Ländereien eines Jan de Werth erwähnt (wahrscheinlich identisch mit  dem Reitergeneral des 3ojährigen Krieges).

Albert Georg stirbt, noch sehr jung, am 23.5.1783 und hinterlässt zwei Söhne, Friedrich und Albert Georg. Nach einem Grundbucheintrag vom 23.1.1754 haftete der "neue Horstmannskamp"  für ihr väterliches Erbe. Die um 21 Jahre jüngere Witwe heiratet sehr bald wieder einen Gerhard Overbeck, der in späteren Akten ebenfalls Sardemann genannt wird. In der Erbauseinandersetzung vorn 6.1.1785 erwerben  dann die Eheleute Overbeck/Sardemann und die beiden unter Vormundschaft stehenden Söhne erster Ehe gemeinsam den "neuen Horstmannskamp" für die Summe von 325 Reichsthalern. Ausserdem traten sie in den Pachtvertrag  des Sardemann-Hofes ein.

Ebenfalls von Interesse ist die Wertrelation des Thalers zu den Waren in der damaligen Zeit. Die Kaufkraft des Thalers betrug um 1785:

    15 Pfund Fleisch bester Qualität oder
    25 Pfund Brot
    2 Pfund Tabak
    4 Pfund Tee
    2 Flaschen Champagner
    1 Paar Schuhe.

Der älteste der beiden nachgelassenen Söhne, Friedrich, hat dann später den Sardemann-Hof übernommen. Der Hof, der 1867 einem Brande zum Opfer fiel und dann parzelliert wurde, war bis dahin im  Besitze der Nachfahren seiner einzigen Tochter Margarethe, die mit einem Heinrich Friedrich Dickmann vom Dickmanshof in Bühl verheiratet war.

Der jüngere Sohn, Albert Georg, heiratete am 28.5.1805 eine Anna Gertrud Benninghoff (zweite Einheirat eines Sardemann auf den Benninghof). Bei diesen beiden handelt es sich um den Enkel der  Stammmutter Sybilla Sardemann und um eine Urenkelin ihres Bruders Gerhard Sardemann, der sich nach seiner Einheirat auf den Benninghof im Jahre 1723 später Benninghoff nannte.

Hier ist der einzigartige Fall zu verzeichnen, dass sich die Blutströme des im männlichen Stamm untergegangenen Namens mit dem des im weiblichen Stamm fortgeführten Namens wieder vereinen.  Albert Georg Sardemann ist dann später in den Erbpachtvertrag des Benninghofes eingetreten, der bis heute im Besitz seiner Nachkommen ist.

Dieser Benninghof war im 14.Jahrhundert der adelige Sitz einer Linie der Herren von dem Berge (de monte) in Hünxe, die am grossen Ringwall ihre Burg hatten. 1341 war ein Sohn dieser Herren  Besitzer des Hofes und nannte sich Henricus de Bennickhoven - verheiratet mit Sophia Spellen. 1353 Heynicken van Bennynehaven. 1487 war dieses Gut ein clevisches Lehen (Archiv Gartrop).

 

 

2. Der Weseler Ast

 

Johann Wilhelm Sardemann hatte schon in jungen Jahren sein Heimatdorf Bühl verlassen und sich in dem einige Wegstunden entfernten Wesel niedergelassen, wo er im Alter von 29 Jahren  heiratet.

Die ländliche Bevölkerung konnte sich nur langsam von den Lasten der Kriege erholen. Aus den Kirchenrechnungen des Kirchspiels Hünxe aus dem Jahre 1768 ist zu erfahren, dass infolge des Krieges  mehrere der Kirche gehörigen Höfe ledig stehen und keine Pächter finden, dass andere Pächter stark verschuldet sind und die "Reste" nicht eingetrieben werden können.

Da mag es für manchen verlockend gewesen sein, in der Stadt ein leichteres Brot zu suchen, als das schwere Los das Landbewohners auf sich zu nehmen. Auf vielen Höfen wurde in damaliger Zeit  Gerste und Hopfen angebaut, das Bier selbst gebraut und Schnaps gebrannt. Es lag deshalb nahe, und zeugt von seinem Unternehmungsgeist, dass sich Johann Wilhelm in Wesel als Branntweinbrenner niederliess. Er wohnte  in der Korbmacherstrasse und heiratete dort an 30.9.1764 eine Anna Maria Christina Schmids. Wesel war ehemals eine preussische Festung. Das äussere Leben war eng, von kleinen Verhältnissen eingeschnürt und im  Vergleich zu später durchaus bescheiden.

Der Ausbruch der französischen Revolution in Jahre 1789 bringt auch für Deutschland wieder kriegerische Verwicklungen. Im Herbst des Jahres 1792 erobert die französische Revolutionsarmee Belgien und überschreitet den Rhein. Zu dieser Zeit brachten sie auch die berüchtigte Assignate - eine Schatzanweisung des französischen Staates - in Umlauf. Hierzu entstand um die Wende des 18. Jahrhunderts folgender  Spottvers:

"Von Lumpen ward ich einst gemacht, von Lumpen an den Rhein gebracht, von Lumpen nährten Lumpen sich und mancher ward ein Lump durch mich."

Im Dezember 1797 endete dann der Krieg mit der Abtretung eines Teiles des linken Rheinufers an Frankreich, wozu der Kaiser in Wien seine Zustimmung gegeben hatte. Von der Schweizer Grenze bis  zur Nette bei Andernach sollte das gesamte Rheinufer die Ostgrenze Frankreichs bilden. Ferner sollten durch den Vertrag von Campo Formio die gesamte Eifel und alles Land links von Roer und Maas bis nach Venlo  ebenfalls dem französischen Staatsverband einverleibt werden. Somit ging fast das ganze linke Rheinufer verloren, mit Ausnahme der preussischen Gebiete von Cleve, Geldern und Moers. Jenseits des Rheins brach  inzwischen das alte Reich zusammen und der letzte Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, Franz II., legte Krone und Kaiserwürde nieder.

Nach den fast ununterbrochenen Kriegswirren der Jahre 1795 - 1805 herrschte zunächst eine Zeit beträchtlicher Not. Johann Wilhelm, der neben seiner Branntweinbrennerei wahrscheinlich noch eine  Schankwirtschaft betrieben hat, ist aber trotz oder vielleicht auch durch die kriegerische Zeit, die viele durstige Soldatenkehlen nach Wesel brachte, zu einigem Wohlstand gelangt. So leiht er am 18.1.1800 dem  Domainenpächter Henrich Spickerhoff aus Gartrop auf eine 14 Morgen grosse Weide ein Kapital von 500 Reichsthalern. Dieses Kapital wurde, da er inzwischen verstorben war, am 18.5.1804 an seine Witwe und seine Kinder  zurückgezahlt (Archiv Düsseldorf). In seinem am 19. Mai 1802 errichteten Testament verteilt er sein Vermögen unter seine 3 Söhne

a) dem Sohne Johann Friedrich das unter der Viehpforte sub. Nr. 786 gelegene Haus mit Stallung und Gerätschaften zum Brandtweinbrennen und Kessel zu 2.800 Reichsthaler clevisch;

b) dem Sohne Johann Gerhard das Haus, welches Disponenten bewohnen, sub. Nr. 526 mit dem Hinterhause sub. Nr. 623 und den darin befindlichen Brennerey Gerätschaften zu. 2.000 Rthlr. clevisch;

c) dem Sohn Henrich das sub. Nr. 787 unter der Viehpforte belegene Haus mit seinen Handwerkgerätschaften zu 1.000 Rthlr. clevisch.

Die drei Söhne Friedrich, Johann und Henrich bilden die Zweige des grossen Weseler Astes. Ihre Nachkommenschaft zerstreut sich über Deutschland, Holland, Dänemark, Indonesien und Nordamerika.

 

 

3.Der Amsterdamer Ast

 

Gerhard Sardeman erlernte das Zimmermannshandwerk und hatte, ebenso wie sein Bruder Johann Wilhelm, schon früh sein Heimatdorf Bühl verlassen. Er kam nach Amsterdam, liess sich dort nieder und  heiratete eine Engelie Wiegers. Der Grund dieser Auswanderung ist nicht recht ersichtlich. Vielleicht war er auf der Wanderschaft. In der damaligen Zeit nahm man es nicht so genau mit den Grenzübergängen, und sein  Beruf als Zimmermann eröffnete ihm in dem Welthafen Amsterdam sicher bessere Möglichkeiten.

Ausserdem waren enge persönliche Bindungen zwischen dem Niederrhein und den Niederlanden aus der spanischen Zeit vorhanden. Damals flüchteten unter der Verfolgung Carls V. (1500 - 1558) viele  Protestanten in die Städte am Niederrhein. Die Zahl der Flüchtenden steigerte sich noch unter der Regierung seines Sohnes Philipp II. (1555 - 1598), besonders aber im letzten Jahr der Statthalterschaft seiner  Schwester Margaretha von Parma.

Am 10.4.1576 wurden in Antwerpen innerhalb von 24 Stunden die Schulen geschlossen, die Kirchen niedergerissen und aus den Balken Galgen errichtet (s. Rahlenbeck pag. 131 "Le pais de Cleves  devint une nouvelle Belgique). Die Stadt Maastricht wurde 1579 vom Herzog von Parma nach langer Belagerung erobert und die evangelische Gemeinde unter viel Greuel zerstört, Die Kinder des bei der Einnahme ermordeten  Lehrers Peter Eckberth von Lier wurden von der Gemeinde Wesel aufgenommen und erzogen (Weseler Kirchenarchiv Acto Presbyterii vom 4.4.1580). Schon bei der Ankunft der Söldnertruppen verliessen tausende Wohnung und  Heimat Richtung Osten. Ein grosser Flüchtlingsstrom ergoss sich in das Land von Cleve und in die Stadt Wesel - die schon seit 1545 den Namen "Vesalia hospitalis" trug.

Diese Einwanderungen sind selbstverständlich nicht ohne Einfluss auf das niederrheinische Land und seine Städte geblieben. Besonders zwischen Rhein und Maas vollzogen sich die grossen Übergänge.  Diese Ströme sind geschichtsträchtig und auch heute noch kennzeichnend für Wesen und Eigenart wesentlicher Gebiete Westeuropas. Auch landschaftlich ist der Niederrhein mit den Niederlanden verbunden. Wer vom  Niederrhein in das holländisch/belgische Grenzgebiet einreist, dem werden die grossen Gemeinsamkeiten der Herkunft und Geschichte immer noch frappierend deutlich.

Gerhard Sardeman hat immer mit der Heimat in Verbindung gestanden. Während eines Besuches bei seinem Bruder Johann Wilhelm, der in Wesel wohnte, erkrankte er und starb dort im Jahre 1796. Im  selben Jahre verstarb auch seine Frau in Amsterdam. Über seine Familie hat Gerhard Sardeman folgende Aufzeichnungen hinterlassen:

Den 5. Decenber 1738 Ben ik Gerrit Sardeman gebohren in de Heerlichkeit Gaartrop by Wesel. Den 20. Juny 1752 is myne vrau Engelie Wiegers gebohren tot Amsterdam. Den 12. May 1776 seyn wy voor de  heeren magestraat op et rathuys, och by den Eerwaarden Heer Domeny Johannes Klap in de Lutterse oude Kerk getraut. 1776 den 13. Juny heb ik myn alstaasy by den Herwaarden Heer Domeny Wilhelm August Klepperbein  hingeleveerd. Den 17. Maars 1777 is unse auste Sohn Willem gebohren morgens um 6 uren 45 minuten, gedoop van Do. Albeste. Den 7. Februari 1779 is unse dogter Cornelia gebohren s avonst 8 uren 45 minuten, gedoop Do.  Nortuit. Den 26. September 1781 is unse Sohn Jurrijan gehohren morgens 7 uur 30 Minuten, gedoop Do. Ronnlers. Den 21. Juny 1783 is unse Sohn Jurrijan gestorven. Den 22. Maars 1784 is unse Sohn Jan Albert gebohren  morgens 11 uur 30 minuten, gedoop Do. Baum. Den 16. January 1787 is my Dogter Johanna gebohren s morgens ten 8 uuren, gedoop Do. Sterk. Den 1. Mey 1793 is my Dogter Maria gebohren s middags ten 12 uuren, gedoop van  Do. Scholten.

Der frühe Tod der Eheleute veranlasste wohl den ältesten Sohn Wilhelm, der bei dem Tode seiner Eltern 19 Jahre alt und von Beruf Schreiner war, wieder nach Deutschland zurück zu wandern. Er  liess sich in Krefeld nieder und heiratete dort am 17.12.1816 eine Gertrud Loers, die eine Mennonitin war. Diese Mennoniten hatten ihren Namen nach dem friesischen Priester Menno Simons, der erst zu Luther hielt und  dann ein Anhänger der Wiedertäufer wurde. Die Mennoniten waren in Krefeld stark verbreitet und ziemlichen Verfolgungen ausgesetzt. Deshalb wanderten viele von ihnen nach Amerika aus.

Wilhelm Sardemann starb 1835 in Krefeld. Nachkommen von ihm finden sich heute noch in Hamburg, während die Nachkommenschaft seiner Geschwister in Holland zu finden sind.

Die holländischen Zweige des Gerhard Sardeman und die Nachkommenschaft des in der zweiten Hälfte des 19. Jhds. in die Niederlande eingewanderten Uhrmachers Gustav Sardeman haben die ältere  Schreibweise des Namens mit einem "n" beibehalten, während in Deutschland der Name teilweise schon seit 1733 mit zwei "nn" geschrieben wurde (siehe altes Grundbuch von 1733  "Sardemannshof" im Staatsarchiv in Düsseldorf).

 

 

B.  Geschichte und Abstammung

 

1. Die Clevische Mark   -   Stammland der Sippen Sardemann - Sardeman

Die Sardemann’s stammen vom Niederrhein. Die engere Stammesheimat ist die rechtsrheinisch, zwischen Rhein und Lippe gelegene Mark, die zu dem ehemaligen Herzogtum Cleve gehörte. Vergleiche historische Karte unter “Bilder”. Dieses Land um  den Zusammenfluss von Rhein und Lippe ist alter fränkischer Siedlungsboden, dies beweisen die Funde bei Hünxe an der Lippe, Sterkrade, Rill bei Xanten und um Schloss Kalbeck/Niederrhein.

Hier marschierten einst die römischen Cohorten von Castra vetera (= Xanten) her auf Haltern zu, und durch die sumpfige Lippenniederung bauten sie ihre festen Strassen aus Holzbohlen, die sie  Pontes longi (= die langen Brücken) nannten.

Die Residenz des Landes war Cleve. Weit schaut vom Berge die Schwanenburg ins Land hinaus. Ein stolzes Wahrzeichen der alten Herzogsstadt. Sagenumwobene Bleibe des Schwanenritters Lohengrin.  Dies ist die Stammburg der Herzöge von Cleve.

Johann Wilhelm, geboren 1562, war der letzte Herzog von Cleve, Jülich und Berg. weiterhin war er noch Graf von der Mark, Ravensberg und Mörs, und Herr zu Ravenstein.

Als sein Vater Herzog Wilhelm am 6.1.1592 starb, übernahm er die Regierung. Anfangs zum geistlichen Stande bestimmt, war er bis zu seinem 23. Lebensjahre Probst und Administrator des  Bistums Münster. Nach dem Tode seines älteren Bruders Carl Friedrich trat er aus dem geistlichen Stand und vermählte sich 1585 mit der am bayrischen Hofe erzogenen Fürstin Jacobea von Baden. Diese Vermählung war  eine verhängnisvolle in sich und für das Land. Das schon zerspaltene Regiment wurde noch mehr in sich gegenseitig bekämpfende Parteien zerklüftet, die für den Fall des Absterbens des kinderlosen Johann Wilhelm sich  die Herrschaft im Lande zu sichern suchten.

Infolge der Intrigen ihrer kaiserlich gesinnten Schwägerin Sybilla wurde Jacobea des Ehebruchs angeklagt. Sie suchte verkleidet in Düsseldorf zu entkommen, wurde aber erkannt, in Haft genommen  und am 3.9.1597 von ihren Mägden tot im Bett gefunden.

Durch Maria Eleonore, Herzogin von Preussen  - sie war eine Schwester des Herzogs Johann Wilhelm -  bekam das Kurfürstentum Brandenburg Ansprüche auf das Herzogtum Cleve, denn ihr war nach den Ehepakten von 1572 die Nachfolge zugesichert. Diese Rechte gingen bei ihrem Tode auf ihre Tochter Anna über, die mit dem Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg vermählt war.

Am 25.3.1609 starb Johann Wilhelm von Cleve kinderlos. Er war, genau wie sein Vater, die letzten Lebensjahre geisteskrank. Einige Monate später, am 16.6.1609, huldigten die Hauptstädte dem  Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg und dem Pfalzgrafen Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg als Erben des Landes, wovon der erstere seinen Bruder, den Markgrafen Ernst und der andere seinen Sohn Wolfgang  Wilhelm zu Statthaltern einsetzte.

Ein aus dieser Erbfolge drohender Krieg wurde durch Verträge noch rechtzeitig verhindert. Die Herzogtümer wurden aufgeteilt und im Vertrag zu Xanten (1614) kam Cleve, die Grafschaft Mark und  Ravensberg zu Brandenburg, und Jülich und Berg zu Pfalz-Neuburg.

 

 

2. Das Heimatdorf Bühl an der Lippe:

 

Drei bis vier Wegstunden von Wesel entfernt, liegt am Unterlauf der Lippe bei Gartrop der Ort Bühl, das Ursprungsdorf der Sardemanns. Schon im Jahre 1312 wird Bühl urkundlich erwähnt, als der  Graf Engelbert von der Mark den Ritter Goswin Steck mit einem Zehnten aus Bule (= Bühl) belehnte. Der Ortsname dürfte auf das mundartliche Bühel oder Bühl = Hügel hindeuten, zum Unterschied vom Nachbarort Gahlen (  gôle = Niederung).

 

 

3. Der Sardemann-Hof

 

Hier in der sogenannten Bauerschaft Bühl lag der Sardemannshof, auch Sardenhof, der zum Besitz des dortigen Rittersitzes Gartrop gehörte. Die ersten Nachrichten über diesen Hof führen in den  Beginn des 17. Jahrhunderts.

Nach einem alten Testament der Herrschaft Gartrop erbte dort ein Sohn des Hauses im Jahre 1628 Sardeman's Gut in Buel. Das Haus Gartrop befand sich zu jener Zeit schon in den Händen der  Freiherrn von Hüchtenbruch. Im Jahre 1716 starb mit dem Baron Albrecht Georg das Geschlecht der Hüchtenbruchs auf Gartrop aus. Seine Tochter und Erbin Isabella war mit Ludwig Alexander Rülemann von Quadt vermählt,  deren Sohn ,Wilhelm Albrecht von Quadt-Wickradt, Herr auf Gartrop wurde.

Im Archiv des Hauses Gartrop wird Sardeman's Gut erwähnt neben Varnsteghoff, Stenner Gut, Uhlenbruchs Gut, Niederhoff, Spieckerhoff, Benninghoff etc., die alle Eigentum der Gartroper Herrschaft  waren. Sardemans Gut gehörte jedoch kirchlich nicht zu Gartrop (reformiert) sondern zu dem etwa eine Wegstunde entfernten Hünxe (lutherisch). Die Zugehörigkeit zur Pfarrkirche stand nicht dem Einwohner direkt zu,  sondern haftete, wie heute noch, an den einzelnen Häusern.

Über die konfessionelle Struktur erfahren wir aus Berichten, die der Hünxer Pfarrer zu erstatten hatte:

    Wiedertäufer, sowie Apostaten ( d.s. zur katholischen Kirche wieder Abgefallene) waren nicht vorhanden. Die ganze Gemeinde war lutherisch, ausser dem Junker Albrecht von Langen  auf Rodelöw, dem Erbkammerherrn auf Gartrop von Hüchtenbruch und dem Junker genannt Freihoff, dem Bruder des clevischen Secretärs. Doch hielten sich diese calvinistischen Junker still.

 

Entgegen verschiedenen anderen Höfen war Sardemans Gut kein Erbpacht-, sondern ein Zeitpachthof. Nach dem alten Grundbuch von 1733 (Staatsarchiv Düsseldorf) betrug die Schatzung 16  Reichsthaler. Die Grösse des Hofes ist nicht angegeben, als Eigentümer ist jedoch Wilhelm Albrecht von Quadt und Hüchtenbruch genannt. Ein Vermerk, Titulo hereditatis ab Avo, besagt, dass er den Hof von seinen  Vorfahren übernommen hat.

Im Archiv des Hauses Gartrop wird im Jahre 1748 die Grösse des Hofes angegeben mit:

    5 Marseit, 3 Matzent und 14 Ruthen Bauland. 7 Marseit und
    67 1/2 Ruthen Hofweydung, Garten, Wiesen.

(1 Marseit = 400 Ruthen, 1 Matzent = 100 Ruthen, 1 Ruthe = 14 clevische Landschuhe. Nach Pastor Sander, Voerde/Ndrrh.).

In dem genannten Jahr mussten an Pacht 8 Thaler und 3 Schweine an die Gartroper Herrschaft abgeführt werden, ausserdem hatte der Pächter noch einen Kirchenzehnt nach Hünxe zu zahlen.

 

Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb der Sardemann-Hof im Besitz der männlichen Nachkommen Sardemann. Dann kam er an die weibliche Linie. Der letzte Pächter hieß  Heinrich Dickmann. Er stammte vom Dickmannshof in Bühl und war verheiratet mit Margarethe Sardemann ( geb. Bühl am 27.6.1605, bäuerlicher Ast).

 

Im Jahre 1867 brannte der Hof nieder und die Ländereien wurden anschliessend parzelliert. Eigentümer war zu dieser Zeit der Freiherr Moritz Carl von Nagell, der den Hof am 21.11.1828  auf Grund des Testaments seiner verstorbenen Eltern Freiherr Paul David Sigesmund Mauritz von Nagell und seiner Ehefrau Gräfin Constance Hermine Albertine Marie Jacobe von Quadt geerbt hatte.

 

Der Hof stand in der Nähe des heutigen Pfarrhauses in Gartrop-Bühl Nr. 54. Nach Angabe des Katasteramtes Dinslaken gehörten dazu folgende Liegenschaften:

Gemeinde Gartrop-Bühl Flur 3 Parzelle 188/42, 43 (früher Parzelle 43)
Angaben aus Act. 96 der Mutterrolle Gartrop
41 Sardemannshof Acker 0.28.70 ha
Sardemannshof Weide 0.07.09 ha
Sardemannshof Weide 2.31.83 ha (früher Parzelle 43)

Ausserdem gehörte nach Angabe des Grundbuchamtes Wesel noch die Parzelle 31 dazu.

 

 

4. Der Name Sardemann

 

Die Familiennamen unterlagen mindestens bis um 1650 den überraschendsten Wandlungen und Schwankungen. Man trug den Vatersnamen noch nicht als unabänderliches Erbe. Die Schreibart des  Namens Sardemann jedoch hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten.

Der Hofname als Quelle des Namens ist klar, was er aber bedeutet, ist schwer zu sagen. Sardemann hängt nicht zusammen mit Sandermann, oder mit dem auch vorkommenden Namen Gardemann.

Sandermann war ein Käter, welcher am Sandberg wohnte und früher "an gen Sande" hiess. Gardemann ist der Mann, der sein Haus in den Garten gebaut hatte, und deshalb "in den  Garden" genannt wurde.

Möglich ist die Ableitung von Sardock, ein grobes Tuch aus halb Leinen und halb Wolle. Sarte = wollene Bettdecke. Vielleicht war ein Sardemann ein Mann, der solchen Stoff webte. Auch folgende  Version ist möglich. In der Geschichte der Kirchengemeinde Hünxe führt Pastor Sander in Band 1 den Drevenacker Zehnt aus dem Anfang des 15. Jahrhundert auf. Danach musste ein Eingesessener mit Namen "In gen  Elsen" ausser seinen Abgaben auch noch "ein Dienst mit geweer" leisten. Im althochdeutschen bedeutet aber der Wortstamm "Sar" der Helm, oder "Saro" die Rüstung, also Sardemann -  der behelmte oder gerüstete Mann. Vielleicht war der Pächter des Sardemannshofes ehemals ebenfalls zu einer Dienstleistung mit der Waffe dem Rittersitz Gartrop verpflichtet, und aus dieser Verpflichtung entstand  dann der Name.

In Antwerpen erschien 1857 ein Buch mit dem Titel: "L'inquisition et la reforme en Belgique" von Charles Rahlenbeck. Dieses Buch enthält Namen der im November 1566 und 1567 wegen ihres  Glaubens ausgewiesenen Calvinisten, und nennt auf Seite 265 an erster Stelle einen "Jan Ambroise de Sardes".

Die Stadt Wesel hat viele der damaligen Flüchtlinge aufgenommen. Vielleicht hat sich dieser Sardes darunter befunden. Eine Ableitung des Namens nach Sardemann ist möglich. Der Sardemannshof wird  in alten Akten (Archiv Gartrop) u.a. auch als "Sarden"-hof bezeichnet.

Man findet es bei Namensbildungen oft, dass der eigentliche Name auf "man" abgewandelt wurde. (s.a. Archiv f. Sippenforschung Heft 1 Jhrg. 1939 Seite 5, hier wird der Naue Peter  Falkenau bei der Tochter zu Peter "Falkmans" Tochter.)

 

Auffallend ist, dass der Sardemanshof entgegen anderen Höfen erst 1628 urkundlich erwähnt wird, obgleich er in der Grösse den viel früher genannten Höfen nicht nachstand. Auch die  Beteiligung der Sardemanns am öffentlichen Leben in der Gemeinde ist erst ab 1641 nachweisbar. Der Grund ist vielleicht darin zu suchen, dass ein "Sardes" Ausgangs des 16. Jahrhs. den Hof in Pacht bekam  und dadurch später der Hofname entstand.

Alle Bemühungen über den Ursprung des Namens ins Klare zu kommen, haben jedoch zu keinem eindeutigen Ergebnis geführt. Auch eine Verbindung mit dem Namen Schardemann, der 1595 in den Archiven  der Stadt Osnabrück auftaucht, und wenig später nach den 30 jährigen Kriege wieder verschwindet, lässt sich nicht nachweisen.

Vom Jahre 1723 an ist der Name Sardemann lückenlos zu verfolgen. Als Curiosum muss jedoch erwähnt werden, dass er in diesen Jahre durch Heirat im männlichen Stamm untergeht, während er zur  selben Zeit in der weiblichen Linie fortgeführt wird. (siehe Stammfolge.)

 

 

5.  Erste urkundliche Erwähnung des Namens

 

Urkundlich wird der Name Sardemann im Jahre 1634 in der Liste der Zahlpflichtigen zum Kirchenfonds Hünxe aufgeführt. Die Abgabe betrug 29 Scheffel Kornfrucht. Im Jahre 1641 wird der Name im  Archiv des Hauses Gartrop erwähnt, als ein Derck Sardemann eine Eingabe an die Gartroper Herrschaft unterschreibt.

Derck Sardemann, dessen Geburtsjahr um 1610 - 1615 liegt, war in eine unglückliche Zeit hineingeboren. Politische und religiöse Spannungen entfachten 1618 einen Krieg, welcher für 30 Jahre  unsägliches Elend über Deutschland bringen sollte.

Schon kurz nach den Tode des letzten Herzogs von Cleve im Jahre 1609 brandschatzten Spanier und Holländer das clevische Land links des Rheines. Im Jahre 1614 zog ein von dem spanischen Marquis  Spinola befehligtes Heer aus den Niederlanden nach Wesel, besetzte die Stadt und bedrückte die Einwohner schwer. Auf den Landstrassen hatte jeder Verkehr ein Ende, die Äcker lagen brach und in den Städten und  Dörfern wütete verheerend die Pest.

Wie furchtbar die Spanier in dieser Zeit in dem unglücklichen Lande gehaust haben, zeigt folgender Auszug aus einer chronikartigen Mitteilung im evangelischen Kirchenarchiv zu Wesel:

Häuser und Klöster, so von den Spanischen zwischen Ruhr und Lippe eingenommen und geplündert. Das Haus Bruch, Broich, alles spolirt, (=beraubt), den Grafen "contra datam fidem et promissam  securitatem" (gegen gegebenes Wort und versprochene Sicherheit) jämmerlich ermordet und verbrannt. Das Haus Crudenburg, dem von Bentheim zuständig, eingenommen und geplündert. Haben auch alle Höfe und Dörfer im  Bezirk der Lippe und Ruhr geplündert und sonstwie grossen Frevel mit Mann und Frau gehabt und unsäglichen Schaden getan. Aller Ackerbau liegt darnieder, die Ställe stehen leer, da das Vieh geraubt ist. Die  Landstrassen sind von umherstreifenden Soldaten, nicht selten auch von Räubern unsicher.

Kaufleute aus Wesel und Goch, die zur Leipziger Messe reisten, wurden zwischen Schermbeck und Haltern von Soldaten, die in Ruhrort in den Schanzen lagen, nicht allein ihres Geldes, 12.000  Thaler, beraubt, trotzdem sie eine Schutzwache von 25 Mann von den Spaniern aus Wesel mitgenommen und einen Schutzbrief von Spinola hatten, sondern auch, als sie sich zur Wehr setzten, so verwundet, dass der eine  durch die Brust geschossen, der andere über den Kopf gehauen in Schermbeck, wohin man sie brachte, bald starben.

 

So schufen Krieg und Pestilenz furchtbare Nöte und beständige Angst. In dem Kirchspiel Hünxe wird 1615 der Kirch- und Schulmeister Frerichs durch die Spanier von Haus und Hof  vertrieben. Die Besatzung erpresste von den Einwohnern schwere Abgaben. Die Bauern hatten kaum das tägliche Brot.

15 Jahre hielten die Spanier Wesel besetzt, bis am 19. August 1629 den Weseler Bürgern Peter und Dietrich Möller und ihrem Schwager Johann Rohleer mit der Hilfe des Prinzen von Oranien, der  damals mit seinem Heer in Emmerich stand, die Überrumpelung durch den Grafen Quadt-Wickradt gelang, und die Spanier vertrieben wurden.

"Deutschland -  Wehland
Land der Plagen
Aller Räuber Tummelplan"

so lautete eine Verszeile aus dem 3ojährigen Kriege, denn die Kämpfe und Schatzungen hörten nicht auf, und immer neue Steuern und Kontributionen wurden der Bevölkerung auferlegt.

 

Der Pastor Rutgerus Boennecken aus dem Kirchspiel Hünxe musste auf das befestigte Schloss Crudenburg flüchten um sein Lehen zu retten. Seine Aufzeichnung, die er hierüber hinterlassen  hat, lautet:

"An Schatzung in anno 1645 dem 9. april ahn Jahn Hugo Scheuren thoe Horst bezahlet 39 reichsthaler‚ den exequutoren 22 ahn der zahl pro exequutione 2 reichsth., ohne was sie  sonst aus dem Hause genommen. Weil diese gelder uff ahnfar deren (anfordern) der Soldaten sobalt nit bej bringen können habe, mein Leben zu salvieren (retten), mich uffs haus Crudenburg begeben müssen."

 

 

6. Die Zeit nach den 30jährigen Krieg

 

Nach dem westfälischen Frieden im Jahre 1648 haben manche Gebiete nur noch die Hälfte oder ein Drittel, stellenweise nur noch ein Zehntel der ursprünglichen Bevölkerung. Das platte  Land war zur Wüste geworden. Der Niederrhein hatte jedoch fast 20 Jahre Zeit, um das wieder aufzubauen, was der Krieg zerstört hatte. Dann kamen Verwicklungen, die das Land aufs neue in Mitleidenschaft zogen.

Nach dem Tode des Königs Philipp IV. von Spanien (gest. 1665) erhob Ludwig XIV. von Frankreich Anspruch auf die spanischen Niederlande und bemächtigte sich grosser Teile von Flandern und  Brabant. Der Krieg griff auch bald auf die clevische Mark über.

1666 wird in der Gemeinde über "hochbeschwerliche französische Kriegsläuffte" geklagt, und am 8.Oktober 1672 heisst es, dass es infolge des Kriegsaufruhrs viele Kranke gibt. Im Jahre  1673 richten die Geistlichen ein dringendes Gesuch an die Regierung in Cleve um Befreiung von der französischen Kriegsschatzung. Wegen der Kriegsgefahr musste das Korn unreif eingeholt werden.

Doch nicht nur die Gemeinde hatte Lasten zu tragen, sondern auch der Einzelne. So bekommt u.a. auch Sardeman aus Buil  - wahrscheinlich ist es noch Derk Sardeman - nach einer Quittung aus den Jahr 1674 aus Kirchenmitteln 4 Thaler wegen der in "Kriegsläfften" erlittenen Schäden vorgestreckt. (Hünxer Kirchenarchiv)

Den Gemeinden wurden von den Franzosen immer neue Schatzungen auferlegt. Sie drohten, die Kontributionen einzutreiben "im Notfall mit allen Härten des Krieges". In einem Verkaufsakt  von Gemeindeland heisst es:

“weil die fraschen (= Franzosen) hier in diesem Land von Cleve So huesiret haben mit schatzen und brantschatzen, sodass es die Leutten nicht länger haben auf- oder beybringen können, So ist dar  ein befelch (Befehl) von Cleve kommen, dass die Leutten verkauffen sollten von die Gemeinten wo sie könten, damit sie die Gelder bejbringen möchten.”

 

Aus dem Jahre 1676 vom 23. Juni ist ein die Familiengeschichte interessierender Verkaufsakt erhalten (Archiv Düsseldorf), der ähnlich die verzweifelte Lage der Ortschaft Bühl während  des Krieges schildert. Bei diesem Verkauf handelt es sich um den der Bühl'schen Gilde gehörenden "Doppenkamp", der an die Eingesessenen Alberten Benninghoff und Johannes Horstmann verkauft wurde.

Die Gilden entsprachen unseren heutigen bäuerlichen Genossenschaften. An ihrer Spitze standen der Pastor und zwei Gildenmeister. Leider ist über die Gilde nichts mehr erhalten als einige  Verkaufsakten über Gildeland.

Der Doppenkamp, so genannt nach seinem damaligen Pächter "Derk Dopp" blieb 106 Jahre im Besitz der beiden Käufer Alberten Benninghoff und Johannes Horstmann resp. deren Erben, bis er  im Jahre 1777 von Sybilla Sardemann, die durch ihren Ehemann Albert Wilhelm Horstmann Erbrecht daran hatte, ganz angekauft wurde.

Im Jahre 1678 ist der Name Sardemann in einer Musterungsliste der Unterherrlichkeit Buel vom 13. Dezember enthalten (Staatsarchiv Düsseldorf). Leider sind die Eintragungen alle ohne Angabe des  Vornamens erfolgt. Diese Musterungen wurden nach erfolgter Anwerbung von der Clevischen Regierung im Auftrage des Landesherrn, dem Kurfürsten von Brandenburg, durchgeführt.

 

 

7. Die Gerichtsbarkeit

 

In den vor dem Landgericht in Gartrop (oder Hünxe) aufgenommenen Urkunden erscheinen immer die Hofbesitzer bzw. Pächter als Gerichtsbeisitzer oder Schöffen. Der Vorsitzende des Gerichts war ein  landesherrlicher Richter. Das Landgericht bestand bis zur Errichtung der Patrimonialgerichte (sogenannte Herrlichkeiten) im 17. Jahrhundert; und zwar wurde 1646 die Jurisdiktion über das Haus Gartrop und die  Bauerschaft Bühl, und 1650 die über das Kirchspiel Gahlen an A. von Hüchtenbroik übertragen (Staatsarchiv Düsseldorf).

Ausserdem bestand in den einzelnen Bauerschaften noch das sogenannte Bauergericht. Diese Bauergerichte wurden von der Bauerschaft gewählt und setzten sich zusammen aus dem Bauerrichter, den  Bauerschöffen und dem Bauerboten. Die Stellung des Bauerrichters entsprach ungefähr den heutigen Schiedsmann.

Eine Baurpoen (= Strafe) bestand z.B. in dem Ausschluss von Wasser und Feuer, das sich einer vom Herd des andern zu leihen pflegte, weil es noch keine Streichhölzer gab. Diese Strafen galten  solange, bis sich der Betreffende wieder gehorsam in die Gemeinschaft einfügte.

 

 

8. Johann Sardemann als Schöffe (1726)

 

Im Jahre 1726 ist ein Johann Sardemann Gerichtsschöffe. In einem Akt vom 30. July 1726, der eine einstweilige Verfügung der Eheleute Wylich gegen den Freiherrn von Heiden und dessen Gemahlin  enthält, wird er und Johann Wilhelm Uhlenbruck als Schöffe genannt (Archiv Düsseldorf).

Dieser Johann Sigismund Wilhelm Freiherr von Heiden war Gouverneur der Festung Lippstadt und später General-Lieutnant der Festung Wesel. Er hatte in das Haus Crudenburg eingeheiratet und wurde  dadurch Patronatsherr der Kirche zu Hünxe. Er scheint ein sehr rabiater Herr gewesen zu sein. Einen Streit mit der Gemeinde, wegen der Einsetzung eines Pastors, suchte er auf seine Weise zu lösen, weshalb sich die  Gemeinde bei der Regierung in Cleve am 6.6.1717 folgendermassen beschwerte:

"Da fing man grausame Dinge an, uns zu zwingen, umb den obdruirten Dröghorn (=den aufgenötigten Pastor Dröghorn) anzunehmen. Einige von uns, auch Prediger und Notarien, wurden cörperlich  arrestiret und respec mit vier Schützen oder Käthern wie Schelme und Diebe in arrest gehalten, einige wurden in einen Diebsthurm geworfen. Ein Gerichtsscheffen Albert Meyer genant, fiel im Thurm in ohnmacht, wurde  darin fast zu tode gebrandt. unser Bauerrichter wurde von seinen armen, stockalten Eltern, Frau und Kindern des Nachts unter grausamem stockschlägen mit den Haaren von Sieben Soldaten weggeschleppt und zu  Kriegsdiensten gezwungen, worüber selbige an den Bettelstab gerahten, andere bedröwet man gleichfalls mit den Blauwen röcken, andere wollte man mit eine straffe von vielen goldgulden anstrengen ..."

Trotzdem war die Zeit, in der Johann Sardemann lebte, von zunehmenden Wohlstand. Aus den Brandenburgern waren jedoch inzwischen Preussen geworden, denn Friedrich, der Nachfolger des Grossen  Kurfürsten, hatte sich 1701 in Königsberg als Friedrich I. selbst zum König von Preussen gekrönt.

In den Jahren 1744 und 1746 unterschreibt ein Gerret (= Goert = auch Gerhard) Sardemann eine Eingabe wegen einer neuen Kirchenglocke für die Kirche in Hünxe. Entweder war er  Gemeinderatsmitglied, sogenannter Bauerschöffe  - oder er gehörte der Kirchenvertretung Hünxe an. Um diese Zeit - 1746 - ist er auch Gildemeister der Bühl'schen Gilde und unterschreibt einen Verkaufsvertrag von  Gemeindeland. Im Jahre 1749 erhält er aus der Gildenkasse 7 Thaler, weil ihm durch eine Seuche das Vieh abgestorben war (alles Archiv Haus Gartrop).

 

 

9. Der Namenswechsel Horstmann/Sardemann

 

Als die Stammesforschung nach dem Aszendenten begann, ging alles sehr glatt. Wunderschön liess sich die Linie bis nach Wesel verfolgen. Nach einem Eintrag im dortigen Kirchenbuch  sollte der letzte Vorfahr aus Hünxe a.d. Lippe stammen. In den Taufregis-tern der Hünxer Kirchengemeinde fand sich auch der Eintrag. Auf Seite 28 Nr.7 hiess es:

Täufling Bühl den 30. Januar 1735
Alb. Wilhelm Sardemans Kindt Jo. Wilhelm

Die Sardemanns stammten also aus dem nahegelegenen Ort Bühl. Aber weshalb befand sich der Eintrag in Hünxe und nicht in den Kirchenbüchern der Gemeinde Gartrop, wozu der Ort Bühl auch  gemeindlich gehörte? Woher kam der Vater Albert Wilhelm Sardemann? Die erste Frage war schnell geklärt. Die Kirche in Hünxe ist die ältere und gehörte der lutherischen Richtung an, wozu sich die meisten  Eingesessenen aus Bühl bekannten.  Die Hünxer Kirchenbücher beginnen erst 1723, da die vorhergehenden infolge der Kriegswirren vernichtet wurden.

Es hätte sich also zumindest noch der Heiratseintrag des Vaters finden lassen müssen, da der Sohn Johann Wilhelm im Januar 1735 getauft wurde. Aber hier versagte das Kirchenregister und auch bei  der Kirchengemeinde in Gartrop war nichts zu finden. Wohl fand sich in Hünxe ein Heiratseintrag vom 24. Januar 1723, wo ein Gerhard Sardemann eine Anna Katharina Benninghoff heiratete. Sollte dies ein Bruder von  Albert Wilhelm sein? Aber wo und wann und wen hatte der Vorfahr nun geheiratet?

Die Forschung war festgefahren und schien auf dem toten Punkt angelangt, denn auch über die in Bühl auf dem Benninghof sitzenden und zahlreichen anderen Sardemanns liess sich keine Verbindung  herstellen. Da kam eines Tages bei Forschungen im Staatsarchiv Düsseldorf ein Verkaufsakt des Horstmannskamp vom 6.1.1785 zum Vorschein, und da stand es wörtlich:

"Erschienen die Geschwister Sardemans aus Bühl, Kinder der verstorbenen Eheleute Albert Wilhelm Horstman genannt Sardeman und Sybilla Sardeman als nämlich:

1. der Bürger Johann Wilhelm Sardeman aus Wesel
2. der Zimmermann Gerhard Sardeman aus Amsterdam
3. die Eheleute Heinrich Kuhleman und Margarethe Sardemans"

Ja, das war er, der Ahn!! Horstman hiess er und hatte bei der Einheirat auf den Sardemannshof den Hofnamen angenommen. Nun liess sich auch im Hünxer Kirchenbuch der Tag der Trauung ,und aus der  Akte der Vornamen seines Vaters Johann und seines Bruders Hermann feststellen.

Nach alten lippeschem Meierrecht nahmen die Pächter - auch der eingeheiratete - immer den Hofnamen an. Auch an der unteren Lippe, wo als Besonderheit in der deutschen Rechtsgeschichte die Bauern  immer persönlich frei waren (vergl. Schröder Dtsch. Rechtsgeschichte), ist dieser Brauch üblich gewesen. Erst eine Verordnung der Jahre 1850 -1855 verpflichtete die Einwohner, ihren richtigen, d.h. den Vaternamen zu  führen.

 

 

10. Die Familie Horstmann

 

Die Eheleute Albert Wilhelm Horstmann und Sybilla Sardemann sind die Stammeltern aller heutigen Sardemanns. Fest steht, dass diese eigentlich Horstmann heissen müssten. Aus diesem  Grunde erscheinen die Urahnen Horstmann hier erwähnenswert.

1666 ist ein Jan Horstmann Kirchmeister. 1667 setzt der damalige Pastor Boennecken das erste Presbyterium in Hünxe ein, und beruft darin als Älteste Jan Horstmann und Bernt tho Benninghoff. Im  Jahre 1679 stirbt Johann Horstmann und vermacht der Armenkasse 25 Thaler. Ein Wessel (= Wilhelm) Ullenbruck jetzo Horstmann, schenkt im Jahre 1676 den Armen 10 Thaler. Am 14.5.1685 unterschreibt er neben anderen  eine Urkunde (Einigung zwischen Pastor und Vikar). 1692 ist er Provisor des Armenfonds. Im Jahre 1703 stiftet er der Kirche zu Hünxe einen Messingleuchter, der folgende Inschrift hat:

"Wilhelm Uhlenbruck, jetzo Horstman to Buel und Anna Horstmann, Eheleute in Ehestand gelebet 43 Jahr und seine Schwester Katharina Ullenbruck mit Derich Schomperman gelebet 50 Jahr verehren  dies zum Gedaechtnis. Anno 1703."

Dieser Wilhelm Ullenbruck hat demnach im Jahre 1660 in den Horstmannshof eingeheiratet, und dann ebenfalls den Hofnamen angenommen. Der Hof ist also nach der Heirat 1660 an die weibliche Linie  Anna Horstmann/Ullenbruck gekommen.

 

 

11. Der Horstmannshof und der Horstmannskamp

 

Die Höfe und Ländereien in Bühl befanden sich fast ausnahmslos im Eigentum der Gartroper Herrschaft, bis auf den Kirchenbesitz und die Allmende. Nur wenige Höfe oder auch Ländereien, die infolge  der auferlegten Kriegskontributionen verkauft werden mussten, waren ins Eigentum einiger Bauern übergegangen.

So ist es auch zu verstehen, dass die Bauernsöhne nicht unbedingt auf den Pachthöfen blieben, sondern in andere Höfe einheirateten. In der clevischen Mark herrschte moreover kein Anerbenrecht,  sondern die Hofteilung war vorherrschend.

In Anfang der Forschung wurde angenommen, dass der Horstmannshof und der Horstmannskamp ein und derselbe Hof seien. Erst im weiteren Verlauf wurde klar, dass es sich um zwei verschiedene Höfe  handelte.

Am 22.9.1679 kaufte Johann Horstmann von der Bühl'schen Gilde den "neuen Kamp", dler im alten Grundbuch von 1733 auch als solcher bezeichnet ist. Erst in späteren Urkunden taucht  hierfür die Bezeichnung "der neue Horstmannskamp" auf. Es haben also später zwei Höfe gleichen Namens bestanden. Der ältere Horstmannshof, der den Familien den Namen gegeben hat, und auch jetzt noch unter  dieser Bezeichnung im Grundbuch geführt wird, ist derjenige, der 1837 von der Gartroper Herrschaft an die noch heute darauf sitzenden Haferkamps verkauft wurde.

 

 

12. Die Familien Benninghoff -  Sardemann -  Horstmann

 

Am 24.1.1723 heiraten in Hünxe Gerhard Sardeman und Anna Katharina Benninghoff, die nach dem Tode ihres einzigen unvermählten Bruders im Jahre 1730 in den Besitz des Benninghofes  gelangt. In der männlichen Linie geht der Name Sardemann jetzt unter, da sich Gerhard von nun an Benninghoff nannte (erste bekannte Einheirat eines Sardemann auf den Benninghof, die zweite erfolgte im Jahre 1805).

Einige Monate später, am 1.6.1723, heiraten ebenfalls inHünxe‚ seine Schwester Sybilla Sardeman und Albert Wilhelm Horstman, der sich später Sardeman nennt (Fortführung des Namens in der  weiblichen Linie. Stammelternpaar aller heutigen Sardemanns).

Für das Aufgebot musste die Braut dem Pastor ein Schnupftuch, und der Bräutigam 20 - 30 Stüber geben. So ein Schnupftuch war wohl zu jener Zeit noch ein Attribut der Frau. Die Männer behandelten  das Taschentuch im allgemeinen noch sehr stiefmütterlich. Sie schneuzten sich mit den Fingern. Über die Standesunterschiede im Gebrauch des Taschentuches berichtet die deutsche Kleiderordnung vom Jahre 1583, dass  Bräutigmae und Personen von adeligem Geschlecht nur Schnüffeltücher verwenden dürfen, die nicht über eineinhalb Thaler wert sind. Die des gemeinen Bürgers sollten nur einen halben Thaler, und die der Dienstboten  einen halben Gulden kosten.

 

 

13. Das Leben auf dem Sardemannshof bis nach dem 7jährigen Krieg

 

Bei der Heirat von Sybilla Sardemann im Jahre 1723 lebten auf dem Sardemannshof der Grossvater Johann, der Vater Jan Goert, wahrscheinlich noch dessen Ehefrau und der Bruder Henrich. Ob der  letztere unverheiratet war, oder wie sein Bruder Gerhard, einen Namenswechsel vorgenommen hat, ist nicht festgestellt.

Das Leben auf den Bauernhofe vollzog sich von Jahr zu Jahr im Kreislauf, der durch den Kirchenkalender bestimmt wurde. Der Acker, die Wiesen und die Ställe beanspruchten den Menschen vollständig.

Ausser den Ländereien des Hofes bearbeiteten die Sardemanns auch noch andere Grundstücke. Für ein Stück Kirchenland, das sie auf 12 Jahre gepachtet hatten, mussten sie an den Pastor in Hünxe 12  Malter Gerste abliefern. Bei der Lieferung bestand die Sitte, dass der Abliefernde von dem Pastor bewirtet wurde.

So hatte auch der Pächter Schüring zu Drevenack an Pacht für die sogenannte Peperhufe ein Schwein und ein Pfund Pfeffer zu geben. Bei der Ablieferung wurde der Pächter von seinem Hund begleitet  und beide im Pfarrhause bewirtet. Wenn nun der Hund beim Weggehen noch einmal zurückschaute, so war das ein Zeichen seiner Unzufriedenheit mit der Bewirtung, und der Abliefernde durfte dann aus der Pfeffertüte  wieder eine Hand voll Pfeffer mit nach Hause nehmen.

Vom Jahre 1723 ab wurde das Kirchspiel nahezu 77 Jahre lang von einem grossen Sterben heimgesucht. In diesen Jahren blieben die Geburten um 57 hinter den Sterbefällen zurück. Als Seuche traten  vor allem die Ruhr, Pocken und Nervenfieber auf, daneben Scharlach und Masern.

Der neue Pfarrer Trippler schrieb beim Rückblick auf das Jahr 1723, dass "lange Zeit das hitzige Fieber grassiert, da oft in einer Woche 7 und wohl oft mehr leichen über erden gestanden,  oft auch 2 leichen aus einem hause”. In dieser Zeit der Seuchen stirbt der Grossvater Johann Sardeman an 22.4.1738 hochbetagt im Alter von 93Jahren.

Der Ehemann der Sybilla Sardemann, Albert Wilhelm Horstmann und sein Bruder Hermann waren im alten Grundbuch der Bauerschaft Bühl je zur Hälfte als Eigentümer des neuen Horstmannskamp  eingetragen, den ihre Voreltern am 22.9.1679 von der Bühlschen Gilde erblich angekauft hatten. Ausserdem stand ihnen nach dem Eintrag im Grundbuch die Hälfte des Doppenkamps als Erbe zu, den ihr Vorfahr Johannes  Horstmann zusammen mit Alberten Benninghoff gemeinsam am 16.7.1676 ebenfalls von der Bühl'schen Gilde erworben hatten.

Schon zu seinen Lebzeiten sicherte sich Albert Wilhelm ein Vorkaufsrecht an dem neuen Horstmannskamp. Zu diesem Zweck hatte er sich von dem Eingesessenen Henrich opt Vengels 70 Rthlr. geliehen,  um seinem Bruder Hermann ein Teil seines Erbes auszuzahlen. Da die Quittung vom 3.6.1750 über die Rückzahlung verloren gegangen war, stellte der nachgelassene Sohn des Gläubigers; Bernd op Vengels am 28.9.1777 eine  Duplikatquittung über diesen Betrag aus (Archiv Düsseldorf).

Nach dem Tode seines Schwiegervaters Jan Goert Sardemann, der am 10.1.1758 im Alter von 82 Jahren stirbt, tritt Albert Wilhelm dann in den Pachtvertrag des Sardemannshofes ein.

Gegen Ende August 1756 hatte Friedrich der Grosse gegen die österreichische Kaiserin Maria Theresia einen Krieg begonnen, der sich 7 Jahre hinzog. Ausser den Schweden und Russen beteiligten sich  auch die Franzosen daran und besetzten die am Rhein gelegenen preussischen Gebiete.

Albert Wilhelm ist um diese Zeit Gerichtsschöffe und unterschreibt u.a. mit seinem Schwager Henrich Sardemann am 12.2.1758 eine Urkunde, worin die Gemeinde an Johann Bernd Benninghoff und dessen  Ehefrau Margarethe Ullenbruck ein Stück Land überträgt. Darin heisst es u.a.:

“da wir zur Abführung der in behuf der Kaiserlichen Königl. auch königl. französischen Armeen unterm 6.April 1757 ausgeschriebenen Fourage Geldern, und hiernächst ferner noch am 25.Juny besagten  Jahres geforderten ersten Darlehen unsern Anteil mit 280 Rthlr 27. 1/3., weil diese Gelder aus eignen Mitteln bei dermaligen betrübten und elenden Zeiten nicht aufbringen können, aufzunehmen genötigt worden, nun  aber durch die zwei Jahr hintereinander darauf erfolgten Fouragirungen und daneben noch ausgestandener Kriegslast auch ausser Stande gesetzet worden, solche abzuführen ...” usw. (Archiv Düsseldorf).

Die sich in bunter Reihenfolge abwechselnden Einquartierungen bedrückten die Bauern schwer. In einer Liste haben sie gewissenhaft aufgestellt, was die Soldaten alles zusammengestohlen haben.  Interessant sind darin die Preise, die einen Schluss auf den Wert eines Thalers in der damaligen Zeit zulassen. So wurde berechnet für:

1 gestohlenes Schaf  2 Reichsthaler.
1 Schwein    5 Reichsthaler.
1 Gans   1 Reichtshaler.
1 Rind     18 Reichsthaler.
1 vierjähriger Stier   22 Reichsthaler.
1 Sack Kartoffel   3 Reichsthaler und 20 Stüber.

Der Kartoffelpreis lag also erheblich über den Fleischpreisen. Über die Beendigung des 7 jährigen Krieges ist im Kirchenarchiv in Hünxe ausserdem noch folgende Niederschrift des Pastors erhalten:

1763 am 15. Febr. ist der Friede auf dem Schloss Hubertusburg in Sachsen zwischen unserm König Friedrich dem Grossen und der Königin Theresia von Böhmen und Ungarn geschlossen worden, wie auch  zwischen dem Churfürsten von Sachsen, da bald die Franzosen dieses Land verlassen und wieder nach Frankreich gezogen sind. Das Dank- und Friedensfest ist bald darauf den 13. Martz 1763 gehalten.

 

[Chronik]